"Starke Gewerkschaften sind die Voraussetzung für die Schaffung eines neuen demokratischen Deutschlands. Wollen wir uns bei der Mitbestimmung in der Wirtschaft durchsetzen, dann brauchen wir die aktive Mitarbeit aller Kollegen.“
Mit diesen Worten wurde vor 80 Jahren zur Gründungsversammlung der IG Metall Stuttgart eingeladen.
„Diese Botschaft“ eröffnete Liane Papaioannou, die Erste Bevollmächtigte und Geschäftsführerin der IG Metall Stuttgart das Jubiläumsfest, „hat bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren: 80 Jahre IG Metall Stuttgart, das sind 80 Jahre Solidarität, Mitbestimmung und Engagement für die Beschäftigten in unserer Region. Dieses Jubiläum ist Anlass, den Generationen von Kolleginnen und Kollegen zu danken, die unsere Gewerkschaft stark gemacht haben. Ihr Einsatz wirkt bis heute fort und gibt uns die Kraft und Orientierung, die Herausforderungen der Gegenwart gemeinsam anzugehen“.
Gemeinsam mit Jubilar*innen, aktiven Mitgliedern, langjährigen Wegbegleiter*innen und Gästen aus Politik und Wirtschaft feierte die IG Metall Stuttgart in den Wagenhallen ihr 80-jähriges Bestehen. Zwischen Erinnerungen an vergangene Kämpfe, persönlichen Begegnungen und Debatten über die Zukunft der Industrie wurde deutlich: gute Arbeit und soziale Sicherheit fallen nicht vom Himmel, sondern werden von Menschen gemeinsam erkämpft und verteidigt.
Geschichte würdigen und Zukunft gestalten
Einen Höhepunkt des Nachmittags bildete die Festrede der Ersten Vorsitzenden der IG Metall, Christiane Benner.
„Die IG Metall Stuttgart hat Geschichte geschrieben; Gewerkschaftsgeschichte, Industriegeschichte, die Geschichte unseres Landes. Euer aller Arbeit, in vielen Fällen auch die Eurer Eltern und Großeltern, hat die IG Metall Stuttgart zu dem gemacht, was sie heute ist: Eine starke Organisation, die seit 80 Jahren für eine enorme Kampf- und Durchsetzungsmacht steht, die ihre Vielfalt nutzt, um sich mit voller Kraft erfolgreich für die Interessen ihrer Mitglieder einzusetzen.“ würdigte Christiane Benner in ihrer Festrede.
Der Festtag stand ganz im Zeichen der Menschen, die die IG Metall Stuttgart über Jahrzehnte geprägt haben. Ein besonderer Moment des Festes war die Ehrung langjähriger Mitglieder und die symbolische Ehrung der ältesten anwesenden Jubilarin und des ältesten anwesenden Jubilars. Sie stehen stellvertretend für Generationen von Mitgliedern, die die IG Metall Stuttgart über Jahrzehnte hinweg getragen und mit aufgebaut haben. Geehrt wurden Gewerkschafter*innen mit 25, 40, 50, 60, 65, 70 und sogar 75 Jahren Mitgliedschaft in der IG Metall.
Ein weiterer Höhepunkt war die Premiere des eigens produzierten Jubiläumsfilms. Historische Bilder, persönliche Erinnerungen und aktuelle Stimmen aus den Betrieben zeichneten ein lebendiges Bild von acht Jahrzehnten gewerkschaftlicher Arbeit. Der Film machte deutlich: Hinter jedem Erfolg stehen Menschen, die sich zusammengeschlossen und füreinander eingesetzt haben. Zugleich erinnerte er daran, dass soziale Errungenschaften, Mitbestimmungsrechte und tarifliche Standards nie selbstverständlich sind, sondern immer wieder verteidigt werden müssen. Seine Botschaft war ebenso klar wie ermutigend: Mit Zusammenhalt, Solidarität und einer starken Organisation können Beschäftigte diese Herausforderungen auch in Zukunft erfolgreich bestehen.
Die Region Stuttgart gestaltet den Wandel
In einer lebhaften Gesprächsrunde tauschten sich Christiane Benner, Barbara Resch und Liane Papaioannou über die Zukunft der Industrieregion Stuttgart aus. Dabei ging es um gute Arbeit, Mitbestimmung und die Frage, wie Beschäftigte die Transformation aktiv mitgestalten können.
Anschließend standen die Betriebe im Mittelpunkt. In zwei weiteren Talkrunden mit Betriebsräten und Vertrauensleuten wurde deutlich, wie eng die industrielle Wertschöpfung in der Region miteinander verknüpft ist. Die Teilnehmer berichteten von den Herausforderungen der Transformation und von der Rolle der Mitbestimmung bei der Gestaltung des Wandels.
Tamara Hübner, Zweite Bevollmächtigte und Geschäftsführerin der IG Metall Stuttgart, betonte die Bedeutung des Zusammenhalts in Zeiten großer Veränderungen:
„Die Geschichte der IG Metall Stuttgart zeigt: Immer dann, wenn Beschäftigte zusammenstehen, können sie Veränderungen aktiv gestalten. Das gilt auch heute. Die Transformation unserer Industrie darf nicht über die Köpfe der Menschen hinweg stattfinden. Gute Arbeit, Qualifizierung und Beschäftigungssicherung müssen im Mittelpunkt stehen. Dafür setzen wir uns gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben ein.“
Antonio Potenza, Kassierer und Geschäftsführer der IG Metall Stuttgart, verwies auf die Verantwortung für die kommenden Generationen:
„80 Jahre IG Metall Stuttgart stehen für Verantwortung, Verlässlichkeit und Solidarität. Was frühere Generationen erkämpft haben, bildet das Fundament, auf dem wir heute aufbauen können. Unser Auftrag ist es, dieses Fundament zu stärken, zu verteidigen und dafür zu sorgen, dass auch die Beschäftigten von morgen auf gute Arbeitsbedingungen, soziale Sicherheit und starke Mitbestimmung vertrauen können.“
Ein Jubiläum mit klarer Botschaft
Die zentrale Botschaft des Tages zog sich wie ein roter Faden durch das gesamte Programm: Die vergangenen 80 Jahre haben gezeigt, dass Fortschritt, gute Arbeit und sozialer Zusammenhalt keine Selbstverständlichkeit sind. Sie müssen erkämpft, verteidigt und immer wieder neu gestaltet werden. Die Geschichte der IG Metall Stuttgart ist deshalb nicht nur ein Rückblick auf acht Jahrzehnte gewerkschaftlicher Arbeit, sondern gleichzeitig ein Auftrag für die Zukunft.
Bei Musik, vielen Gesprächen und Wiedersehen über Generationen hinweg klang der Abend aus. Ehemalige und Aktive, Jubilar*innen und junge Beschäftigte kamen miteinander ins Gespräch und machten sichtbar, was die IG Metall Stuttgart seit 80 Jahren auszeichnet: Solidarität, Zusammenhalt und die Überzeugung, dass gute Arbeit und soziale Gerechtigkeit nur gemeinsam erkämpft werden können.