Tarifbewegung 2026: Selbstbewusst in den heißen Herbst
Ein zentrales Thema der Delegiertenversammlung war die anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie vor, auf die sich die IG Metall vorbereitet. Liane Papaioannou, Erste Bevollmächtigte und Geschäftsführerin der IG Metall Stuttgart, berichtete von den bisherigen Beratungen der großen Tarifkommission in Baden-Württemberg und warf den Blick voraus.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben vor der Tarifrunde widersprüchlich: Einerseits prägen Unsicherheit, internationale Konflikte, Strukturwandel und Beschäftigungsabbau die öffentliche Debatte. Andererseits zeigt sich die Lage in den Regionen und Betrieben äußerst unterschiedlich. Während einzelne Unternehmen unter Druck stehen, erzielen viele Betriebe weiterhin gute Ergebnisse, erwirtschaften Gewinne und schütten hohe Dividenden aus. Gleichzeitig belasten steigende Lebenshaltungskosten die Beschäftigten. Preise für Wohnen, Lebensmittel und Mobilität liegen weiterhin auf hohem Niveau.
Dieses Bild bekräftigten die Ergebnisse der aktivierenden Befragungen, an denen sich in den vergangenen Monaten viele Tausend Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben beteiligt haben. Sie zeichnen ein differenziertes Bild bei den betrieblichen Situationen und zeigen einen klaren Fokus der Beschäftigten. Die Ausgangslage macht deutlich: Die Beschäftigten haben einen berechtigten Anspruch darauf, an der wirtschaftlichen Entwicklung beteiligt zu werden.
Für die IG Metall steht deshalb fest: Jeder Job zählt, jeder Euro zählt. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Umbrüche sind es die Beschäftigten, die mit ihrer Arbeit den Erfolg der Unternehmen sichern und die industrielle Transformation tragen. Die Tarifrunde wird daher unter dem Motto „Weil du zählst“ geführt und verbindet die Forderung nach einer fairen Entgeltentwicklung mit dem Einsatz für sichere Arbeitsplätze und gute Perspektiven in den Betrieben.
Die kommenden Wochen stehen nun im Zeichen der demokratischen Forderungsfindung und der Mobilisierung. Im September beraten die Beschäftigten und die Tarifkommissionen über die Forderungen für die Tarifrunde. Ende September wird die Forderung bundesweit beschlossen. Anschließend gilt es, diese Forderung in den Betrieben sichtbar zu machen und gemeinsam zu unterstützen.
Ab Oktober beginnen die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern. Die aktuellen Entgelttarifverträge laufen am 31. Oktober aus. Mit dem Ende der Friedenspflicht um Mitternacht besteht ab dem 1. November die Möglichkeit, den Verhandlungen durch Warnstreiks Nachdruck zu verleihen, falls die Arbeitgeber kein akzeptables Angebot vorlegen. Die IG Metall setzt dabei auf die aktive Beteiligung ihrer Mitglieder und die Stärke der betrieblichen Solidarität. Denn gute Tarifergebnisse werden nicht am Verhandlungstisch allein erzielt, sondern durch die Unterstützung und das Engagement der Beschäftigten in den Betrieben möglich gemacht.
Die Delegierten bekräftigen in verschiedenen Wortbeiträgen daher die Bedeutung einer starken und handlungsfähigen IG Metall. Die vor uns liegende Tarifrunde wird von vielen Faktoren beeinflusst: der wirtschaftlichen Entwicklung, der geopolitischen Lage, den Strategien der Arbeitgeber sowie den Erwartungen der Beschäftigten. Entscheidend bleibt jedoch die gemeinsame Durchsetzungskraft der Mitglieder. Die kommenden Wochen werden deshalb genutzt, um die Forderungen zu diskutieren, Unterstützung zu organisieren und die Beschäftigten für die bevorstehenden Auseinandersetzungen zu mobilisieren. Gemeinsam wollen wir erreichen, dass die Interessen der Beschäftigten auch 2026 erfolgreich vertreten werden.