Bereits ab 8.00 Uhr fand am Samstagmorgen im Willi-Bleicher-Haus die erste Delegiertenversammlung der IG Metall Stuttgart im neuen Jahr statt. Zahlreiche Delegierte aus den Stuttgarter Betrieben kamen zusammen, um aktuelle Entwicklungen zu diskutieren, Weichen zu stellen und einen starken gemeinsamen Auftakt für 2026 zu setzen.
Liane Papaioannou, Erste Bevollmächtigte und Geschäftsführerin der IG Metall Stuttgart, eröffnete die Versammlung mit einem politischen Bericht. Dabei ging sie auf die anstehenden Landtagswahlen und die aktuelle Wirtschaftspolitik ein. Ein besonderer Fokus lag auf der Arbeitsmarktpolitik.
Input: Neue E‑Auto‑Förderung der Bundesregierung
Ein zentraler Schwerpunkt der Delegiertenversammlung war die Vorstellung der neuen E‑Auto‑Förderung der Bundesregierung durch Conny Schönhardt, Stabsstellenleiterin Mobilität und Fahrzeugbau beim IG Metall Vorstand. In ihrem Vortrag machte sie deutlich, dass die Neuregelung einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung darstellt. Besonders positiv hob sie hervor, dass nun erstmals Privatpersonen mit kleinen und mittleren Einkommen stärker in den Fokus rücken und Familien zusätzliche Unterstützung erhalten. Auch die Einbeziehung des Leasings sowie die rückwirkende Gültigkeit ab dem 1. Januar werden als wichtige Verbesserungen gesehen, die den Zugang zur Elektromobilität erleichtern und der Nachfrage neuen Schwung verleihen können.
Die IG Metall begrüßt die neue Förderung insgesamt, da sie in vielen Punkten gewerkschaftlichen Vorschlägen entspricht und in der aktuellen schwierigen Situation ein stabilisierender Faktor für die Automobilindustrie und ihre Beschäftigten sein kann. Gleichzeitig formulierte Schönhardt klaren Nachbesserungsbedarf. Besonders kritisch bewertete sie, dass der Kauf von gebrauchten E‑Autos vorerst nicht gefördert wird – gerade hier könne eine ergänzende Prämie helfen, Hemmschwellen abzubauen und den Markt weiter zu beleben. Ebenso müsse die Beschränkung auf Fahrzeuge „Made in EU“ zügig überprüft werden, damit deutsche Steuergelder tatsächlich auch Beschäftigung an deutschen Standorten sichern. Abschließend betonte sie die Bedeutung sinkender Strompreise an öffentlichen Ladesäulen. Die im Masterplan Ladeinfrastruktur angekündigten Maßnahmen für mehr Transparenz und Wettbewerb müssten nun schnell umgesetzt werden, um Elektromobilität langfristig attraktiv zu halten.
Stimmen aus den Betrieben
Ein weiterer Fokus der Delegiertenversammlung lag auf dem Tagesordnungspunkt „Berichte aus den Betrieben“, bei dem sich zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus den Betrieben zu Wort meldeten und der ein Bild der aktuellen Herausforderungen vermittelte.
Nachwahl zur Großen Tarifkommission (GTK)
Im Rahmen der Delegiertenversammlung standen zudem zwei Nachwahlen für die Große Tarifkommission Metall- und Elektroindustrie an:
Daniela Rathe, Vertrauenskörper-Leiterin bei Porsche in Zuffenhausen, wurde neu in die GTK gewählt. Sie übernimmt das Mandat von Harald Buck und wird künftig die Interessen der Beschäftigten aus der Region Stuttgart auf tarifpolitischer Ebene vertreten.
Paul Berkemer, stellvertretender JAV-Vorsitzender bei Bosch in Schwieberdingen, wurde als Jugendvertreter in die Tarifkommission gewählt. Damit ist die Perspektive der jungen Beschäftigten weiterhin gut und engagiert repräsentiert.
Zum Abschluss: Demozug zur Kundgebung
Nach Abschluss der Delegiertenversammlung um 11:30 Uhr sammelten sich alle Teilnehmenden vor dem Gewerkschaftshaus und zogen gemeinsam zur anschließenden Kundgebung am Schlossplatz. Unter dem Motto „5 vor 12 – Höchste Zeit für gute Arbeit & gutes Leben“ versammelten sich dort rund 7.500 Gewerkschafter*innen.
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