Der Aktionstag der IG Metall für eine starke Automobilindustrie am 21. September 2026 ist aus Sicht der IG Metall Stuttgart ein voller Erfolg. Mit zehntausenden Beschäftigten bei verschiedenen Aktionen in Sindelfingen, Stuttgart und Umgebung hat die Gewerkschaft ein klares Zeichen gesetzt: „Zukunft statt Kahlschlag!“ Bundesweit waren über 175.000 Beschäftigte der Automobilindustrie, Hersteller, Zulieferer und Entwicklungsdienstleister über den Tag auf Betriebsversammlungen, vor dem Werkstor, bei großen Demos oder aktiven Mittagspausen beteiligt.
Im Bereich der IG Metall Stuttgart gab es die größte Aktion am Mercedes-Benz Standort Sindelfingen mit 22.000 Teilnehmenden. Öffentliche Aktionen gab es zudem am Mercedes-Benz Standort Untertürkheim mit über 5.000 Teilnehmenden, bei Bosch Feuerbach mit 2.500 Teilnehmenden, wo sich auch Beschäftigte von Bosch Leonberg, Bosch Schillerhöhe, Bosch BSS und Bosch Sicherheitssysteme beteiligten, sowie mit jeweils einigen hundert Teilnehmenden bei Porsche Zuffenhausen und bei der gemeinsamen Aktion von Mahle Bad Cannstatt und Mahle Feuerbach. Weitere betriebsinterne Aktionen fanden bei Bosch Renningen, Bosch Schwieberdingen und Porsche Weissach statt.
„Jetzt ist schnelles Handeln angesagt! Die Arbeitgeber dürfen die Verantwortung nicht weiter einseitig auf die Beschäftigten abschieben und nur auf kurzfristige Rendite schauen. Die Beschäftigten und ihre Familien tragen an dieser Krise keine Schuld! Sie haben Sicherheit und klare Perspektiven verdient“, sagt Liane Papaioannou, Erste Bevollmächtigte und Geschäftsführerin der IG Metall Stuttgart.
Tamara Hübner, Zweite Bevollmächtigte und Geschäftsführerin der IG Metall Stuttgart, führt weiter aus: „Die Arbeitgeber müssen endlich in die Zukunft ihrer Standorte investieren, und die Politik muss dafür sorgen, dass der Sozialstaat nicht abgebaut, sondern modernisiert wird. Industrielle Transformation und soziale Sicherheit sind keine Gegensätze – sie sind die Voraussetzung dafür, dass die Menschen den Wandel mittragen.“
Die IG Metall Stuttgart damit nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Politik in die Pflicht. „Wir fordern eine konsequente Industriepolitik, die deutsche und europäische Wertschöpfung schützt und fördert sowie faire und wettbewerbsfähige Energiekosten. Die Altersteilzeit im Blockmodell sowie die Rente für langjährig Versicherte nach 45 Beitragsjahren müssen bestehen bleiben. Dafür rufen die IG Metall, der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften unter dem Motto „Hart verdient“ am 26. September zum Protest auf!“, sagt Antonio Potenza, Kassierer und Geschäftsführer der IG Metall Stuttgart. Die Kundgebung beginnt am Samstag, 26. September, um 11:55 Uhr auf dem Schlossplatz Stuttgart.
Die Stimmen aus den Betrieben bekräftigen die Themen und Forderungen des Aktionstages: Die Beschäftigten sind bereit, den Wandel der Automobilindustrie mitzugestalten, erwarten dafür aber klare Zukunftsperspektiven, Investitionen und verlässliche politische Rahmenbedingungen statt weiterer Belastungen.
Ergun Lümali, Gesamtbetriebsratsvorsitzender Mercedes-Benz Group AG betonte die Geschlossenheit und Entschlossenheit der Belegschaften: „Heute haben die Beschäftigten ein klares Zeichen gesetzt: Wir sind viele, wir sind solidarisch und wir wehren uns. Unsere Kolleginnen und Kollegen akzeptieren nicht, dass immer wieder bei ihnen der Rotstift angesetzt wird – bei Arbeitszeit, tariflichen Leistungen und beim Einkommen. Wer die Zukunft von Mercedes-Benz sichern will, muss nicht bei den Beschäftigten sparen, sondern in die Zukunft investieren. Wir brauchen Investitionen in Produkte, Technologien und unsere deutschen Standorte – statt immer neuer Forderungen nach Verzicht. Und auch an Brüssel und Berlin ist das Signal heute unüberhörbar: Wir brauchen faire Wettbewerbsbedingungen und verlässliche Rahmenbedingungen für unsere Industrie. Wer Arbeitsplätze und industrielle Wertschöpfung in Deutschland sichern will, darf unsere Unternehmen im internationalen Wettbewerb nicht alleinlassen. Politik muss jetzt dafür sorgen, dass Investitionen in unsere Standorte wieder eine Perspektive haben, statt den Druck auf die Beschäftigten weiter zu erhöhen“
In eine ähnliche Richtung argumentiert Michael Häberle, Betriebsratsvorsitzender Mercedes-Benz Untertürkheim: „Wer von den Beschäftigten Verzicht verlangt, muss Zukunft liefern. Betriebsrat und Belegschaft erwarten eine belastbare Zukunftsagenda mit Investitionen, Beschäftigungssicherung und Perspektiven für alle Standorte.“
Auch Ibrahim Aslan, Gesamtbetriebsratsvorsitzender Porsche AG, verweist auf die große Verunsicherung in der Branche. Sowohl bei den Herstellern als auch bei den Zulieferern seien sich viele Kolleginnen und Kollegen besorgt um ihre Arbeitsplätze und die Zukunft ihrer Standorte: „Egal ob beim Autobauer oder beim Zulieferer: Unsere Kolleginnen und Kollegen machen sich große Sorgen um ihre Jobs und ihre Standorte. Die aktuelle Krise darf nicht vorgeschoben werden, um auf dem Rücken der Beschäftigten zu sparen und planlos Werke dichtzumachen. Unsere Kolleginnen und Kollegen verdienen ein klares Ja zum Industriestandort Deutschland. Jetzt heißt es: Die Unternehmen müssen in neue Technologien, Produkte und Arbeitsplätze investieren, und die Politik muss endlich dafür die richtigen Bedingungen schaffen. Denn unsere Arbeit, der Standort Deutschland und unsere Zukunft sind nicht verhandelbar – Solidarisch für gute Arbeit und gutes Leben.“
Aus Sicht der Zulieferindustrie macht Boris Schwürz, Gesamtbetriebsratsvorsitzender MAHLE GmbH, deutlich, dass Wettbewerbsfähigkeit nicht durch längere Arbeitszeiten oder weiteren Kostendruck entstehe. Stattdessen brauche es Investitionen, Innovationen, Qualifizierung und eine nachhaltige Produktstrategie:
„Bei MAHLE in Stuttgart leisten die Kolleginnen und Kollegen bereits erhebliche Beiträge. Wer von Wettbewerbsfähigkeit spricht, darf nicht nur über Kosten und noch mehr Arbeitszeit reden. Wettbewerbsfähigkeit entsteht durch Investitionen, Innovation, Qualifizierung und zukunftsfähige Produkte, die in Deutschland auch ankommen müssen, damit die Automobilzuliefererindustrie ein Teil der Industrie bleibt und den Wohlstand im Land aufrecht hält. Die 35-Stunden-Woche ist kein Hindernis für die Zukunft der Zulieferindustrie. Zukunft entsteht durch Innovation, Investitionen und qualifizierte Beschäftigte – nicht durch einfach mehr Arbeitszeit.“
Frank Sell, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats Bosch Mobility, hebt schließlich den Wandel hervor, vor dem die gesamte Branche steht: "Wir stehen vor massiven Veränderungen und natürlich vielen, vielen Sorgen der Beschäftigten. Daher haben wir heute zusammen mit der IG Metall überall in Deutschland Gesicht gezeigt. Wir erwarten von den Unternehmen Mut, Zukunft und Investitionen in die Betriebe in Deutschland. Und wir erwarten von der Politik, dass sie die notwendigen Reformen anstößt, um die Arbeitsplätze in der europäischen Automobil- und Zulieferindustrie zu halten.“