Protest gegen Standortschließung MAHLE-Beschäftigte setzen Zeichen in Fellbach

Beschäftigte des MAHLE-Standorts Fellbach demonstrierten am Dienstagvormittag gegen die geplante Zerschlagung ihres Werks.

Wehende IG Metall-Fahnen.

10. Februar 2026 10. Februar 2026


Protest gegen Standortschließung: MAHLE-Beschäftigte setzen Zeichen in Fellbach

Fellbach, 10. Februar 2026: Beschäftigte des MAHLE-Standorts Fellbach demonstrierten am Dienstagvormittag gegen die geplante Zerschlagung ihres Werks. Unter dem Motto „Sauer-Hour statt Happy-Hour“ machten sie in einer 60 Minuten-Demo deutlich, dass sie die von der Geschäftsführung beabsichtigte Verlagerung und Aufspaltung ihres Standorts und der 150 Arbeitsplätze nicht hinnehmen wollen.

Vor dem Werk in der Schaflandstraße versammelten sich Mitarbeitende aus den Bereichen Formel 1, Serienkunden und Rennsport unterstützt vom Betriebsrat und der IG Metall. Darüber hinaus stellten sich Kolleg*innen aus anderen Betrieben und von den IG Metall Senior*innen solidarisch an die Seite der Beschäftigten. Mit Transparenten, Trillerpfeifen und Wortbeiträgen machten sie ihrem Ärger Luft und warnten zugleich vor den Folgen einer Schließung für die Marke MAHLE Motorsport, die in Fellbach seit über zwei Jahrzehnten Hightech-Entwicklung auf internationalem Spitzenniveau betreibt.

Wut und Enttäuschung über Zerschlagungspläne

Die Geschäftsführung hatte im Herbst 2025 überraschend offenbart, dass der Standort innerhalb von 14 Monaten auf Werke in Markgröningen und Rottweil verteilt werden soll – faktisch eine Zerschlagung. Als Gründe nannte sie zu hohe Kosten für die Verlängerung des Erbpachtvertrags sowie mögliche Umsatzrückgänge. Für die Belegschaft ist diese Begründung nicht nachvollziehbar.

Für Jennifer Thieskes, Vorsitzende des Betriebsrats, ist das unverständlich: „Die hochqualifizierten Facharbeiter und Ingenieure haben diesen Standort zwanzig Jahre lang aufgebaut. Der MAHLE-Konzern muss krisenbedingt sparen und will aber gleichzeitig Millionen Euro für eine Verlagerung und Schließung des Standortes Fellbach ausgeben. Das versteht niemand bei MAHLE. Die Fellbacher Belegschaft hat sich immer sehr flexibel gezeigt und je nach Auftragslage und Kundenwünschen jedes Schichtmodell mitgetragen. Auf Kosten der Gesundheit und des Familienlebens. Wir fragen uns: Warum ist die MAHLE Geschäftsführung nicht in der Lage, das anzuerkennen und warum hält sie stur an ihren Plänen fest, die alle betrieblichen Experten inzwischen ablehnen?“

Boris Schwürz, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, betonte den wirtschaftlichen und technologischen Wert des Fellbacher Werks und warf der Konzernführung eine fehlgeleitete Sparpolitik vor: „Wer ein profitables und technologisch führendes Werk zerschlägt, spart nicht, er schwächt den gesamten Konzern. Fellbach ist ein Hightech-Standort mit internationalem Renommee. Diesen Wert leichtfertig aufs Spiel zu setzen, ist betriebswirtschaftlich kurzsichtig und strategisch fatal.“

Auch Antonio Potenza, Geschäftsführer der IG Metall Stuttgart, fand während der Kundgebung deutliche Worte und stellte sich hinter die Forderung der Beschäftigten, den Standort zu erhalten: „Die Kolleginnen und Kollegen hier in Fellbach haben diesen Standort zu dem gemacht, was er heute ist: ein hochspezialisierter, profitabler und international angesehener Hightech-Betrieb. Dieses Know-how und diese Identifikation mit dem Produkt kann man nicht einfach verlagern wie eine Maschine. Wer jahrzehntelang aufgebautes Wissen verschieben will, nimmt billigend in Kauf, dass Qualität und Innovationskraft verloren gehen. Das lassen wir nicht zu! Wir fordern konstruktive Gespräche über die Zukunft des Standorts.“

Standort gilt seit Jahren als Aushängeschild

Der MAHLE-Standort Fellbach gilt nicht nur in Baden-Württemberg, sondern konzernweit als „Formel-1-Hightech-Schmiede“. Der Betrieb ist bekannt für seine Spezialisierung und Profitabilität – Eigenschaften, die nach Ansicht der IG Metall und der Beschäftigten bei einer Verlagerung zweifellos gefährdet sind.

Viele Mitarbeitende äußerten Angst um ihre berufliche Zukunft, aber auch Ärger darüber, dass die Geschäftsführung zuvor monatelang jede Veränderung dementiert hatte. Die Protestaktion zeigte eindrücklich, wie tief der Vertrauensverlust sitzt.

Wie es weitergeht

Die Beteiligten kündigten an, den Druck auf die Unternehmensleitung aufrechtzuerhalten. Weitere Aktionen seien in Planung, sollte die Geschäftsführung nicht auf die Forderungen der Belegschaft eingehen.

Die Botschaft der Fellbacher Beschäftigten ist klar: Der Standort soll bleiben – und mit ihm das Know-how der Menschen, die den MAHLE Motorsport groß gemacht haben.