Aktionstag bei Mercedes-Benz 20.000 Mercedes-Beschäftigte in Sindelfingen machen Druck

Vor Tor 7 machten die Beschäftigten deutlich, worum es wirklich geht: um sichere Arbeitsplätze, gute Arbeitsbedingungen und die Zukunft der Standorte. Wer die Zukunft der Industrie sichern will, muss investieren statt kürzen.

Kundgebung am Mercedes-Benz Standort Sindelfingen

3. Juli 2026 3. Juli 2026


Vor Tor 7 in Sindelfingen war am Freitagmorgen unübersehbar, worum es den Beschäftigten geht: um ihre Arbeitsplätze, ihre Arbeitsbedingungen und die Zukunft der deutschen Standorte. Zwischen IG Metall-Fahnen, Transparenten und deutlichen Sprechchören wurde sichtbar, wie stark die Entschlossenheit in der Belegschaft ist. Rund 20.000 Kolleginnen und Kollegen unterbrachen ihre Arbeit und beteiligten sich an einer Kundgebung der IG Metall.

Die IG Metall hatte zu bundesweiten Protest-Kundgebungen an den Standorten von Mercedes-Benz aufgerufen. Anlass ist die vom Vorstand angekündigte „Produktivitätsoffensive für Deutschland“ und die damit verbundenen Sparmaßnahmen. Aus Sicht der IG Metall richten sich diese Maßnahmen einseitig gegen die Beschäftigten und stellen zentrale tarifliche Errungenschaften infrage.


Kundgebung am Mercedes-Benz Standort Sindelfingen

Wer Zukunft will, darf Standards nicht schleifen

Die 35-Stunden-Woche, tarifliche Sonderzahlungen und sichere Arbeitsbedingungen sind hart erkämpfte Errungenschaften. Sie stehen für planbare Arbeit, für Gesundheit und für Familienzeit.

Liane Papaioannou, Erste Bevollmächtigte und Geschäftsführerin der IG Metall Stuttgart, machte deutlich, dass die wirtschaftliche Lage nicht schöngeredet werde. Aber sie widersprach entschieden der Richtung, in die die aktuelle Debatte geführt wird: „Die wirtschaftlichen Herausforderungen sind real. Aber was wir aktuell erleben, ist eine einseitige Verschiebung der Lasten auf die Beschäftigten. Wer jetzt Sozialstandards, Arbeitszeit und Entgelt angreift, riskiert den Betriebsfrieden. Unser klarer Anspruch ist: Zukunftsfähigkeit ja, aber nicht auf Kosten der Beschäftigten.“

Damit brachte sie auf den Punkt, was viele Beschäftigte bewegt: Zukunftsfähigkeit ist notwendig. Aber sie darf nicht bedeuten, dass die Belegschaften für Managemententscheidungen, Marktverwerfungen oder politische Versäumnisse zahlen sollen. Wer Transformation ernst nimmt, muss investieren, in Produkte, Technologien, Qualifizierung und Standorte.


Kundgebung am Mercedes-Benz Standort Sindelfingen

"Einfallslos und falsches Signal"

Auch Ergun Lümali, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Mercedes-Benz Group AG und Betriebsratsvorsitzender am Standort Sindelfingen, richtete den Blick auf die eigentliche Aufgabe. Die Zukunft des Unternehmens werde nicht dadurch gesichert, dass Beschäftigte länger arbeiten oder auf Leistungen verzichten. Notwendig seien Innovation, Investitionen, schnellere Entscheidungen und verlässliche politische Rahmenbedingungen.

Seine Botschaft war klar: Die Beschäftigten sind nicht die Ursache der Probleme. Sie sind diejenigen, die jeden Tag dafür sorgen, dass der Konzern funktioniert. Wer ihre Arbeitsbedingungen verschlechtert, schwächt genau die Grundlage, auf der industrielle Stärke beruht. Lümali formulierte es deutlich: „Die Zukunft von Mercedes-Benz entscheidet sich nicht über längere Arbeitszeiten oder gekürzte Leistungen. Diese Debatte jetzt auf dem Rücken der Beschäftigten zu führen, ist einfallslos und ein falsches Signal.“


Kundgebung am Mercedes-Benz Standort Sindelfingen

Wer die Zukunft der Industrie sichern will, muss investieren.

Eleftherios Tolmidis, Vertrauenskörperleiter der IG Metall Vertrauensleute am Mercedes-Benz Standort Sindelfingen, machte deutlich, dass die Diskussion tief in die Belegschaft hineinwirkt.

Der Konflikt steht exemplarisch für viele andere Beispiele in der Metall- und Elektroindustrie. Unter dem Druck von Transformation, internationalem Wettbewerb und wirtschaftlicher Unsicherheit geraten tarifliche Standards, Arbeitszeiten und soziale Sicherungssysteme zunehmend ins Visier. Immer häufiger wird so getan, als sei Wettbewerbsfähigkeit vor allem eine Frage niedrigerer Kosten und längerer Arbeitszeiten. Die IG Metall hält dem entgegen: Wettbewerbsfähigkeit entsteht durch gute, innovative Produkte, starke Mitbestimmung, qualifizierte Beschäftigte, moderne Werke und eine Industriepolitik, die Zukunft ermöglicht.


Kundgebung am Mercedes-Benz Standort Sindelfingen